Eine Höhle für Platon

(ENT-)TÄUSCHT!

Interdisziplinäre Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen

Dr. Dipl.Ing. Wolfgang Koelbl
 

Das schwere Zeichen

Der Mensch ist ein Oberflächenwesen, ob er geht, fährt oder die Nordhänge besteigt, er ist immer an der Oberfläche. In dieser Selbsterkenntnis liegt eine tiefe Enttäuschung, die in eine seltsam hoffnungslose Agenda übersetzt wird. Der Mensch soll wenigstens in seinen Produktionen kein Oberflächenwesen sein, sondern ein Tiefenwesen, ein Wesen, das geistige, sinnliche, moralische Tiefenräume erfasst. Für Architekten ist diese Aufforderung ein geradezu existenzielles Dilemma, weil sie als gesamte Profession Räumlichkeit vertreten und verkaufen. Gerade die populären Projekte der letzten Jahre (Guggenheim Bilbao etc) verstärken diese Erwartung. Höchste Zeit also, das bestgehütete Betriebsgeheimnisse der Architektur-Disziplin preiszugeben: Es gibt keinen Raum in der Architektur (den die Modernen in purer Form zu bauen glaubten), es gibt auch keinen Bedeutungsraum in der Architektur (den die Postmodernen zu erzeugen glaubten. Es gibt nur Oberflächen, und deren Herstellung ist kulturgeschichtlich betrachtet eine größere Leistung, als die Negativbedeutung von Wörtern wie oberflächlich etc. vermuten lässt.

Dr. Dipl.Ing. Wolfgang Koelbl

geboren 1968 in Österreich. Studium der Architektur in Wien, Michigan und Glasgow, Promotion. 1996/97 Research Program University of Tokyo, 1999 Artist in Residence. MAK Schindler, Los Angeles; Seit 2001 Assistent an der Abteilung Gebäudelehre und Entwerfen der TU Wien. Seit 2001 Büro Koelbl & Radojkovic, Wien. 2006 Preisträger Europan 8 mit dem Projekt „Prolog“ in Waidhofen. 2008 Preisträger Europan 9 mit dem Projekt „Lügengebäude“ in Berlin.
Veröffentlichungen u.a. „Tokyo Superdichte“ (Verlag Ritter 2000), „Architektur-Innereien“ (Verlag Ritter 2004)

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