
Helga Griffiths
*1959 in Ehingen, lebt in Darmstadt
Ascending Scale
Engelnberger Treppe
Helga Griffiths befasst sich mit der menschlichen Wahrnehmung und mit den Codes, die unsere Kommunikationswelt prägen. Ihre Arbeit in Wuppertal trägt den Titel „Ascending Scales“. Die Akkorde, die der Klanginstallation zugrunde liegen, sind dem 1. Präludium von Bachs „Wohltemperiertem Klavier“ entnommen. 24 Akkorde werden über an der Treppe angebrachte Sensoren und gegenüberliegende Reflektoren durch die Bewegung des Passanten ausgelöst. Die Klangdateien werden über einen Computer elektronisch gesteuert: die Klänge überlappen sich und verbinden sich zu immer neuen Konstellationen. Das ständige Wechselspiel ist enervierend und spannend zugleich: Inwiefern beeinflusst der Klang die Bewegung der Passanten oder umgekehrt? Es entsteht eine Gruppendynamik – im Gleichschritt, vorwärts, rückwärts. Und eine Wechselwirkung: Die Installation verändert den Rhythmus der Bewegung und der Rhythmus des Passanten die Musik. Die Lautsprecher sind in den darüber liegenden Bäumen kaum sichtbar platziert. Generell ist die Installation nur auf den zweiten Blick sichtbar: Computer und Steuerung sind versteckt, alles Visuelle der Installation ist zurückgenommen – man sieht die 100 Jahre alte Treppe und die darüber hängenden Äste der großen Bäume, alte Häuser sowie eine Bank, die Griffiths aufstellte, damit die Besucher verweilen oder anderen zuhören und zuschauen zu können. Die Akteure sind erstaunt, wenn sie plötzlich Klang vernehmen, bis sie feststellen, dass es ihr Schritt ist, der diesen auslöst. Die aus aufsteigenden Noten bestehenden Akkorde, die in den meisten Fällen mit einem höheren Ton enden, führten zum Titel „Ascending Scales“. Die Treppe ist der Interaktionsort – steigert das Gruppengefühl, da die sich formende Komposition durch ein gemeinschaftliches Agieren und Reagieren eine besondere Intensität gewinnt. Die Treppe, die eigentlich Passage ist, wird hiermit zum Verweilort im zeitbasierten Medium Musik für menschliche, zeitbegrenzte Interaktion. Die Passanten auf der Treppe werden zu Akteuren, manchmal aber auch einfach die Natur: herunterwehende Blätter von den darüber liegenden Ästen beeinflussen den Prozess genauso wie die Vögel, die komischerweise ganz an- und aufgeregt sind. Das Stück von Bach hat Helga Griffiths wegen des Rhythmus und der aufsteigenden Noten ausgewählt, die zusammengenommen dem Klang eine minimale Struktur geben und so verhindern, dass er völlig ins Chaos versinkt.
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Videopodcast
Helga Griffiths - Ascending Scale
Autor: Burkhard Rosskothen (einfallsreich tv)
Länge: 3:08 min
August 2007



