
2. August bis 14. September 2008 in Bonn
Eva-Maria Joeressen & Klaus Kessner
(geb. 1956 / 1957)
leben und arbeiten in der Nähe von Düsseldorf
Raum – Der vorgefundene Raum ist klein, schlauchartig, mit uneindeutigem Charakter. Im Kontext der Villa Ingenohl wirkt er wie ein architektonischer Appendix. Seine Funktion scheint einzig im Ausblick auf das Rheinpanorama zu liegen. Raum-Richtung und Ausblick-Richtung liegen allerdings quer zu einander. Auf dieser besonderen Raum-Situation fußt gap lounge.
Ort – Durch Weißen und grauen Bodenbelag wurde der Raum neutralisiert. Eine Sitzbank – im Material des Bodenbelags - und ein Flachbildschirm sind einziges Inventar. Der Appendix wird zu einer modernen Mönchszelle. Im Zusammenhang mit dem Titel gap lounge entsteht zudem ein ironischer Kommentar zur grassierenden 'Lounge-Kultur' und deren Motto 'Relaxen, statt Reflektieren'. Bank und Bildschirm folgen der Raumrichtung. Sie verschließen sich der Ausblick-Richtung: also kein Blick nach vorn/ außen, sondern ein Blick zur Seite, zwischen/hinter die Dinge, Lücken suchend, Lücken schließend - mind the gap.
Echtzeit-Klang/Bild - Das Material des Monitorfilms besteht aus Filmaufnahmen von Schritten durch die Villa. Schritte sind eine einfache, aber sehr effektive Methode, Räume zu erkunden. Die Vielzahl der Dimensionen und Proportionen, der Boden-, Decken- und Wandbeschaffenheiten der Räume der Villa, ergibt - geradezu zwangsläufig - ein umfangreiches, spannendes Repertoire an Klängen.
Bespielt wird die gap lounge mit einem für sie entwickelten Bespielt wird die gap lounge mit einem für sie entwickelten Echtzeit-’TV’-Programm: Das Schritt-Material der Videoaufnahmen wird aufgebrochen, zersplittert, neu zusammengesetzt. Dabei sind Bild und Ton miteinander verschränkt. Die Rhythmen der Schritte lassen die Bilder pulsieren - die Bewegungen der Bilder formen die Klanggestalt. Der Faktor Zeit - Bindeglied der Zeit-Künste Film und Klang - wird dabei haptisch und flexibel ausgelotet. Vorwärts - Rückwärts, Stillstand - Raserei sind die Pole dieses Wegs, der immer wieder neu und anders beschritten wird.
Fazit - gap lounge entwickelt für das Ausstellungskonzept sowie den vorgefundenen Raum ein künstlerisches Bild der Schnittstelle von Reflexion und Aktion und weist damit weit über den konkreten Sachverhalt hinaus.
“gap lounge“ von Eva-Maria Joeressen und Klaus Kessner
Environment mit Sitzgelegenheit, Großbildfernseher, Computer und Echtzeit-Klang/Bild-Erzeugung
(Fotos: Carsten Gliese, Stills: Joeressen+Kessner)
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