Lasst uns drei Hütten bauen!

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Herr Strotmann erzählt

Zusammenfassung der Gespräche, die Franka Hörnschemeyer von Juni bis August 2005 mit Gerd Strotmann führte. Gerd Strotmann war zwischen 1981 und 2004 Leiter der Stadtgärtnerei in Bonn.

„Über die Stadtgärtnerei gibt’s tausend Geschichten, da kann man ein Buch schreiben, witzig und weniger witzig. Meistens waren wir gut angesehen, weil wir immer was gebracht haben – im Gegensatz zur Grünflächenpflege, die häufig angefeindet wird, weil sie irgendetwas nicht macht. Die Stadtgärtnerei war die Urzelle der ganzen Gartenorganisation. Zum Schluss aber war sie nur noch Produktionsbetrieb für Beetpflanzen, Bäume und Sträucher, die vom Servicebetrieb Stadtgrün gepflanzt wurden. Dazu kommt die Produktion von Pflanzen für die Innenraumbegrünung und Schnittblumen für Dekorationen. Das hing vor allem mit der Hauptstadtfunktion der Stadt Bonn zusammen, genau deswegen gab es ja soviel Dekoration. Die ganzen Empfänge und großen Sachen hat immer die Stadtgärtnerei gemacht. Früher sind die Staatsgäste noch am Bonner Hauptbahnhof angekommen. Reza Pahlevi, der letzte persische Schah, hat sogar von Köln aus die Lokomotive gelenkt. Damals haben wir den Bahnhof dekoriert, bis hin zur Rheinbrücke. Die Gäste sind zu dieser Zeit noch nicht mit dem Flugzeug gekommen, sondern mit der Bahn. Wir hatten ein riesiges Grünpflanzen- und Palmenhaus mit Deko-Pflanzen. Die musste man zum Teil zu viert schleppen, so schwer waren sie. Das war jedoch lange vor meiner Zeit.

Die Gartenbautradition hat ihre Ursprünge in den Schlossgärtnereien und im kurfürstlichen Umfeld. Gärtner waren früher fachlich sehr kompetent. Sie wurden Kunstgärtner genannt und hatten durchaus ein Standesdenken. Interessant ist, dass der Kurfürst früher nicht in Köln wohnen durfte – das haben die Kölner abgelehnt, weil Köln freie Reichsstadt war. Also wurde Bonn Regierungssitz des Kurfürsten. Die Familie Beethoven war zum Beispiel beim Kurfürsten angestellt, der Vater war dort Musiker. Ludwig van Beethoven hat ewig Sehnsucht nach Bonn gehabt in seinem Leben. Das liegt wohl an dem Charme, den so eine kleine Stadt hat. Und eine Gärtnerei trägt ihren Teil dazu bei. Heute war irgendein Staatsbesuch da, mit weißen Mäusen und so weiter, da sage ich zu meiner Frau: Wenn ich jetzt nicht in Rente wäre, wüsste ich, wer angekommen ist. Das würde in meinem Terminkalender stehen, wegen der Dekoration. 

Der Rat der Stadt Bonn hatte 1892 entschieden, eine Stadtgärtnerei einzurichten; und die bekam ihr Quartier in der Römerstraße. Damals gab es bei weitem nicht genug private Gärtnereien, um den Bedarf um die Jahrhundertwende zu decken. Vor allem nach dem ersten Weltkrieg wurde dann alles Mögliche produziert, nur keine Blumen. Die Leute hatten ganz andere Sorgen, als sich um Blumenschmuck zu kümmern. Im zweiten Weltkrieg spielte die Gärtnerei eine sehr traurige Rolle. Da wurden dort erstmal Leichen gelagert, die aus dem Bombenschutt herausgeholt wurden. Sie mussten identifiziert werden. Ich hatte noch Mitarbeiter, die das gemacht haben, damals als ich anfing. Während des Krieges und auch danach gab es keine Blumen. In der Gärtnerei wurde Gemüse herangezogen, das an die Bevölkerung ausgegeben wurde.

Ab 1957 war in der Römerstraße sogar noch ein Schulzoo, in dem Tiere unserer Heimat untergebracht waren. Und Adenauer hatte einen Löwen vom Kaiser Haile Selassie bekommen, als Staatsgeschenk. Bonn hat ja einen Löwen im Stadtwappen. Im Schulzoo ist dafür extra ein Löwenhaus gebaut worden, und man hat einen zweiten Löwen angeschafft, damit der erste sich nicht einsam fühlt. Aber alt geworden sind beide nicht in Bonn.

Nach der kommunalen Reform 1967 wurde der Standort in der Römerstraße aufgegeben und als Bauland genutzt. Das war auch das Ende des Schulzoos. Das Grünflächenwesen wurde konzentriert und die drei vorhandenen Stadtgärtnereien in Beuel, Bad Godesberg und Bonn aufgelöst. In Bonn war Bauland knapp, weil wegen der Bundesfunktionen immer mehr Raum benötigt wurde. Dann ist ’68 mit Bundesmitteln auf dem Dransdorfer Berg eine große neue Gärtnerei gebaut worden, mit Außenflächen fast achtzehn Hektar, als ich sie vor 24 Jahren übernommen habe. Das Gelände war von der Stadt zum einen Teil gekauft und zum anderen über Erbpachtverträge übernommen worden. Erst sollte ein großer Friedhof dorthin, schließlich wurde es aber der Stadtgärtnerei zur Nutzung überlassen.

Nachdem der Bund Bonn verlassen hatte, erfolgte eine Konsolidierung, auch des öffentlichen Haushalts. Die Industrie und die Privatwirtschaft allgemein rückten stärker in den Vordergrund. Die Telekom zum Beispiel, die in die Bresche vom Bund steigen sollte, gewann immer mehr an Bedeutung für die Region. Die Unternehmer haben eben immer einen Weg gefunden, um wenig Gewerbesteuer zu bezahlen. Das lief so: Es gab eine Bundestagssitzung, in der festgelegt wurde, dass Berlin Bundeshauptstadt wird und Bonn einen Ausgleich bekommt. Ich weiß nicht, wie das lanciert wurde – jedenfalls ist die Telekom anstelle des Bundes der größte Arbeitgeber in Bonn geworden. Nachdem der Bund im Wesentlichen weg war, ist in Bonn unglaublich von der Telekom gebaut worden. Das Unternehmen stellt wohl inzwischen etwa 30.000 Arbeitsplätze in Bonn und Umgebung. Der Post-Tower ist nur das Headquarter. Ich war vor vier Wochen noch drin: Das ist ein Superbau vom Feinsten. Wenn sie reinkommen, meinen sie, sie laufen auf PVC-Boden, das ist aber gefärbtes Ahornparkett. Dann gibt es natürlich überall Edelstahl. Die Klimatisierung funktioniert ohne Klimaanlage, einfach durch die Anordnung der Außenhaut und durch das Pumpen von Brunnenwasser durch den Fußboden im Sommer, um so zu kühlen. Und im Winter wird ein bisschen warmes Wasser durchgepumpt – also ein technisch hochinteressanter Bau. Es gibt noch eine Menge Häuser drum herum. Die alte CDU-Parteizentrale ist gesprengt worden und auf der anderen Seite wird das alte Landesbehördenhaus geräumt, da kommt überall die Telekom hin. Und auf der Beueler Seite ist noch mal Telekom, riesig. 

Im Endeffekt ist es wohl so, dass Bonn im Vergleich zu anderen Kommunen nur etwa acht Prozent Arbeitslose zu verkraften hat. Ich war ja selber bei der Stadt Bonn, ich kenne die Heulerei mit dem Haushalt – aber im Vergleich zu Berlin haben wir hier weniger Probleme. Das liegt auch daran, dass die Bevölkerungsstruktur wesentlich homogener ist. Bonn hat rund 300.000 Einwohner. Das sind so viele wie in einem Stadtbezirk in Berlin. Und Bonn hat es eigentlich immer irgendwie verstanden, die Regierung für sich zu gewinnen, schon in der Kaiserzeit. Nach dem Wiener Kongress ist das Rheinland ja mal an Preußen gegangen und die Preußen haben den Bonnern eine Super-Universität eingerichtet. Die großen adligen Familien hatten ihre Palais und die Prinzen haben hier studiert, die Hohenzollernprinzen. Bonn war eine Stadt, in der sich alle Geistesgrößen der Romantik getroffen oder an der Uni gelehrt haben. Wenn sie auf den alten Friedhof gehen, finden sie viele ihrer Gräber.

Wegen der Bundesgartenschau war 1979 ein wichtiges Jahr für uns. Der Produktionsumfang war deshalb enorm. Bonn hatte ’79 wohl auch die Zusage bekommen, dass sie endgültig Hauptstadt der Bundesrepublik bleiben sollte. Danach hat der Bund erneut intensiv gebaut. 1989 ist dann alles gekippt. Die Kommunen stehen alle nicht so gut da. Vielleicht nicht so schlimm wie in Berlin, aber es gibt generell zu wenig Geld. Es wurde also überlegt, wie Geld gespart werden kann – man kann natürlich an der Kultur sparen, aber das ist bei uns nicht so einfach: Bonn hat eine Oper, ein Orchester, ein Theater, überall wird schon gespart. Und vor zehn Jahren wurde deshalb die Gärtnerei eigentlich politisch aufgelöst. Wenn man keine eigene Gärtnerei hat, kann man die Leistungen natürlich zurückfahren. Eine Gärtnerei ist nämlich ein riesiger Selbstbedienungsladen. Man entnimmt, was man braucht; und es gibt immer wieder Begehrlichkeiten. Der Eine kriegt eine Schale und der Andere einen Strauß, dann fragt der Nächste, wieso der und ich nicht. Deswegen sind wir mit diesen Dingen auch immer möglichst diskret umgegangen. Wenn irgendeiner ankam, irgendeine Botschaft oder Institutionen, die Veranstaltungen in Bonn hatten, die haben sich an die Stadt gewendet: Könnt ihr euch nicht daran beteiligen? Und dann haben wir gesagt: Ja, wir können die Dekoration machen oder Pflanzen liefern. Für die Stadt war das eigentlich eine ganz schöne Sache. Wir sind für alle möglichen Anlässe tätig geworden. Das heißt, wir haben erst einmal die Produktion gehabt, die ganzen Sommerbeetpflanzen, Winterbeetpflanzen, die Bodendecker, Sträucher, Bäume. Und dann natürlich die ganzen Grünpflanzen für die Hydropflege, die Innenraumbegrünung und zusätzlich alle möglichen Schnittblumen für Sträuße, die Dekoration für repräsentative Anlässe. Und dann haben wir noch normale Erdpflanzen gebraucht, für Kindergärten, Schulen, Altenheime und so weiter. Diese Einrichtungen sind wir regelmäßig angefahren und haben dort was hingeliefert. Zu Weihnachten hab ich jeweils so circa 10.000 Weihnachtssterne verteilt. Außerdem haben wir im Stadthaus und den übrigen Einrichtungen ungefähr 1.400 Hydrogefäße unterhalten.

Der eigentliche Betrieb mit den Gewächshäusern hatte fünf Hektar. Das war der Kernbetrieb, der auch jetzt noch hauptsächlich eingezäunt ist. Zuletzt wurde dort ein Gewächshaus aus Holland mit einer Schiffsbreite von drei Metern als Ersatz für verrottete Frühbeetkästen im Baukastensystem erstellt. Es ist fünfzehn Meter breit und sechzig Meter lang, hat also 900 Quadratmeter. Es wurde kittlos verglast, was ganz einfach ist: Es werden immer nur die Sprossen vor die eingesetzte Scheibe gesetzt. Das heißt allerdings auch, es gibt Probleme, wenn man nachher etwas reparieren will. Dafür hat man dann so genannte Reparatursprossen. Dort fehlt die obere Sprosse und man kann wieder eine Scheibe einsetzen. In Hoek van Holland gibt es ein riesiges Gemüseanbaugebiet. Von dort ist auch das Gewächshaus. Und dort können sie so weit gucken – man könnte meinen, man hätte das Meer vor sich, so riesige Flächen haben die damit aufgestellt. In den Gewächshäusern wachsen Tomaten und Gurken. Jetzt gibt es aber andere Gewächshäuser, die dichter sind, wegen der Energiefrage. Aber für den Zweck, für den wir das Haus brauchten, war das völlig ausreichend: Unsere Pflanzen waren da höchstens drei Monate drin; erst Primeln – ungefähr 12.000 Stück – dann Edellieschen oder Pelargonien. Alles Beetpflanzen, die gut abgehärtet werden konnten. Die haben keine hohe Temperatur gekriegt, es kam viel Licht, viel Sonne rein. Und wenn sie auf die Freibeete kamen, hatten sie nicht solche Probleme, weil Pflanzen durch UV-Strahlung auch schon mal verbrennen können. In den Frühbeetkästen haben wir deshalb auch die Fenster abgenommen und die Pflanzen schon mal an die Sonne gewöhnt. Dadurch hatte man bessere Qualitäten, und wir sind auf spezielle Wünsche unserer Kunden eingegangen, weil Beetpflanzen ja nach draußen gepflanzt werden. Im Herbst haben wir Primeln getopft und in dem Haus außerdem die großen Deko-Pflanzen gelagert. Das sind Pyramiden mit Pelargonien oder Cassia oder Fuchsien, die wir an Brennpunkte gestellt haben, an exponierte Stellen in der Stadt, am Sterntor oder am alten Rathaus oder dort, wo wegen der versiegelten Flächen nicht gepflanzt werden konnte. Die haben wir in dem Haus überwintert, gerade so frostfrei. Viel mehr als null Grad hatten die nicht.

Das grüne und orange Gewebe haben wir zur Schattierung genommen, weil es im März schon sehr hell wurde, zu hell eigentlich und wir haben dann zwischen den Bindern oben waagerecht dieses Gewebe ausgelegt. Das filtert das Licht, lässt die orange und violette Strahlung durch. In diesem Bereich nimmt die Pflanze die Strahlung am intensivsten auf. Das grüne Gewebe ist nicht so wirkungsvoll wie das orange. Das schwarze Gewebe kam auf den Boden, was zur Wärmeentwicklung sehr günstig ist. Wenn die UV-Strahlung auf eine schwarze Fläche trifft, wandelt sie sich in langwellige Strahlung um, in Wärmestrahlung. Früher, nach dem Krieg hatten wir noch Kanonenöfen und wenn die so richtig rot glühend waren, dann strahlten die – das ist Strahlungswärme. Die Wärme wurde früher hauptsächlich über Warmwasserrohre in Form von Strahlung an die Pflanzen abgegeben. Heute hat man ja eher Luftheizung in den Räumen, Konvektion sagt man. Bei der Konvektion wird die Wärme durch die Luft transportiert indem die kalte Luft gegen warme Luft ausgetauscht wird. Wenn man zum Beispiel Rotlichtlampen direkt über ein Ferkel hängt, dann wird das Ferkel angestrahlt, ohne dass sich die Luft erwärmt. Das ist auch für das Pflanzenwachstum sehr günstig – und natürlich für den Energieumsatz. Vor allem im Winter, wo man die Wärme ja bezahlen muss, weil man heizt, hat man das Gewebe in dem Pflanzenbestand schwarz gemacht.

Als ich 1981 anfing, gab es in der Stadtgärtnerei 28 fest Angestellte, fünfzehn Auszubildende und vier Praktikanten. Es schwelte schon seit ’79, dass der Betrieb geschlossen werden sollte. Er war den  Gartenbauunternehmern ein Dorn im Auge. Aber die Stadt konnte die Gärtnerei nicht zumachen, weil ja der Bund investiert hatte. Es ist schon vorgekommen, dass bei Bauprojekten, die angefangen und nicht zu Ende geführt wurden, die Bundeszuschüsse zurückgezahlt werden mussten. Das hat uns 1980 vor der Privatisierung bewahrt. Aber dann war der Bund weg und es ging wieder los. Ich sollte dann für die Verwaltung Vorlagen machen, wie man die Gärtnerei am besten schließt. Das habe ich aber abgelehnt.

Im Jahr 1992 hatte die CDU den Antrag gestellt, die Gärtnerei zu schließen. Bis zur Umsetzung des Beschlusses hat es dann insgesamt elf Jahre gedauert. Denn nachdem sich ’94 die Ratsmehrheit geändert hatte, wollten die SPD und die Grünen die Gärtnerei auf keinen Fall zumachen. Aber ’99 hatte die CDU wieder die Mehrheit und 2001 wurde erneut ein Antrag auf Schließung der Gärtnerei gestellt. Die Verwaltung wurde beauftragt, nach alternativen Lösungen für die Erstellung der Leistungen zu suchen und ein wirtschaftlich sinnvolles Konzept für die weitere Nutzung des Geländes zu entwickeln. Aufgrund der jahrelang nicht getätigten Investitionen war es technisch nicht mehr möglich, den Betrieb vernünftig zu bewirtschaften. Dazu kam, dass frei werdende Stellen nicht mehr mit neuen Leuten besetzt wurden. Ich habe 2002 vorgeschlagen, einen Weg zu suchen, die Stadtgärtnerei aufzulösen und habe meine Altersteilzeit eingereicht um in Würde abzuschließen. Daraufhin hat man gleichzeitig eine sozial verträgliche Lösung für meine Mitarbeiter gefunden. Die Gärtnerei wurde im Juli 2004 geschlossen. Die Betriebseinrichtungen wurden daraufhin so weit demontiert, dass eine Wiederinbetriebnahme auch bei wechselnden Ratsmehrheiten nicht mehr möglich wäre.

Die weitere Nutzung des Geländes ist noch unklar. Wirtschaftlich sinnvoll wäre die Bebauung des Geländes. Das setzt aber entsprechende Baugenehmigungen voraus. Ursprünglich hat man gedacht, wenn man eine Landesgartenschau auf das Messdorfer Feld bekommt, könnte man ein ökologisches Zentrum einrichten und gleichzeitig Serviceleistungen bringen. Man könnte dem Bürger ständig Zugang zum Betrieb ermöglichen. Das könnte man mit dem Gut Ostler – ein ökologischer Betrieb in der Nähe – zusammen machen. Aber, wie gesagt, das ist jetzt vorbei. Mit der Gärtnerei ist die Sache gestorben. Jetzt ist das finanziell nicht mehr machbar. Die Bauern würden das Gelände natürlich auch gern nutzen, da ihre landwirtschaftlichen Betriebe Schwierigkeiten haben. Früher war um Bonn herum ein großes Gemüseanbaugebiet. Das Vorgebirge hat bis nach Berlin geliefert. Aber jetzt kommt ja alles aus Spanien oder anderswoher, Holland oder Polen. Und interessant ist, dass es zum Teil in deutsche Verpackungen wandert, weil der Deutsche lieber was Deutsches kauft. Die bringen es fertig, polnischen Spargel in Bornheimer Verpackungen zu tun. Insofern macht das ja alles sowieso keinen Spaß mehr.

An sich kann man sagen, mein Posten als Leiter der Stadtgärtnerei ist ein dankbarer Job gewesen. Den Schluss ausgenommen, als diese politischen Anfeindungen anfingen. Vor allem lag es wohl letztlich daran, dass die Unternehmer den Gartenbau in privater Hand sehen wollen, sie wollen lukrative Aufträge. Das kann ich ja alles noch verstehen. In Berlin ist das übrigens genauso. Dort wurden auch die Bezirksgärtnereien aufgelöst. Die meisten sind inzwischen verschwunden. Nicht privatisiert werden können allerdings botanische Gärten – gerade den in Berlin, den können sie nicht vergeben, da brauchen sie Leute, die besonders kompetent sind, die spezielles Wissen haben. Die Leistungen rund um den Botanischen Garten lassen sich nicht standardisieren, auch nicht der Umgang mit Pflanzen. Und zweifellos ist das auch ein Stück Kultur.“