"Friede den Hütten" von Anja Wiese (Foto: Carsten Gliese)
"Friede den Hütten" von Anja Wiese (Foto: Carsten Gliese)

Blick zurück nach vorn

2. August bis 14. September 2008 in Bonn

Anja Wiese (geb. 1962)

lebt und arbeitet in Düsseldorf


20 kleinformatige Lichtkästen hat Anja Wiese mit Schwarz-Weiß-Bildern bestückt. Sie präsentiert sie in einer abgedunkelten Holzhütte, einem ehemaligen Spielhaus, neben der Villa Ingenohl. Es ist eine Sammlung ganz unterschiedlicher Bildzitate, ein Kabinett der Kontraste, zwischen Hütten und Villen, zwischen Arm und Reich. Da sitzt Oskar Prieger vor seiner neu erbauten Villa, es mag um das Jahr 1870 gewesen sein, daneben sieht man zwei gut situierte Damen seiner Zeit in einem prächtigen Salon.

Doch die Bilder, die Anja Wiese miteinander kombiniert, sind keine Reise in die Vergangenheit. Neben der vornehmen Reiterin aus dem vorletzten Jahrhundert zeigt sie die modernen Autos, die heute vor der Garage der Villa Prieger parken, stellt „Opa Willi“ vor dem Schrebergarten dem bettelnden Invaliden aus dem 1. Weltkrieg gegenüber. Auch ein Portrait von Rosa Luxemburg ist dabei. Warum? „Ein Symbol für die Konfrontation von Besitz und Nichtbesitz“, sagt Anja Wiese. Sie hat alle Bildmotive auf durchsichtige Folien „abgepaust“, mit feinen Strichen und mit in Handarbeit gerasterten Flächen. Manches wirkt detailgenau, anderes bewusst reduziert und verfremdet.

Ambivalenz darzustellen, aber auch Dialektik zu formulieren, ist für Anja Wiese ein wichtiges Anliegen. Ihrer Arbeit Friede den Hütten besteht aus Impressionen, aus Fragmenten, die einander zugeordnet Assoziationen erzeugen. Ihre Bildwelten sind zugleich Spurensuche und Zitat. In der dunkeln Holzhütte lässt Anja Wiese eine Intimität entstehen, die den Betrachter diese Bilderwelt hineinzieht.  

Für ihre zweite Arbeit hat sich Anja Wiese eine Holzhütte auf der unteren Ebene des Gartens der Villa Ingenohl ausgesucht. Sie hat das bereits vom Verfall gekennzeichnete Häuschen mit einem filigranen, silbernen Metallgestell ummantelt. Es nimmt die Strukturen der Holzkonstruktion auf und verleiht der Installation den Charakter einer Zeichnung.  

"Friede den Hütten" von Anja Wiese (Foto: Carsten Gliese)

"Friede den Hütten" von Anja Wiese (Foto: Carsten Gliese)


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