"Reinwasser" von Karin Veldhues und Gottfried Schumacher (Foto: Carsten Gliese)
"Reinwasser" von Karin Veldhues und Gottfried Schumacher (Foto: Carsten Gliese)

Blick zurück nach vorn

2. August bis 14. September 2008 in Bonn

Karin Veldhues (geb. 1956)
Gottfried Schumacher (geb. 1956)

leben und arbeiten in Nusbaum und Köln


Projektion bzw. Projizieren ist ein Verfahren zur Abbildung von Körpern, aber es ist auch ein Übertragen von Gefühlen, Wünschen, Vorstellungen, Ängsten, inneren Bildern auf andere Personen oder auf die Gegenstandswelt. Der Begriff Projektionsraum ist also doppeldeutig zu verstehen. Bei angstimdunkeln sind Bilder im Wechsel, im Rundlauf zu sehen. Sie erinnern an einen Reigen, so wie er in Kindergärten damals wie heute als Tanzform üblich war und ist („...der Plumpsack geht um“). Der Reigen ist ohne Anfang und ohne Ende. In der Bildabfolge der Installation ist größtenteils Vertrautes, Alltägliches, Gewohntes enthalten.

Zum Teil sind es Aufnahmen von „Fundstücke“ bei der Spurensuche in der Villa Ingenohl, in deren Garten sowie im Gebäuderiegel. In der Installation scheint das Bekannte umzukippen in etwas Fremdes, Unvertrautes, Rätselhaftes, Geheimnisvolles, auch Unheimliches. Zum Bildmaterial vom Ort des Kunstprojektes ist aber auch externes Material hinzugekommen. angstimdunkeln – der Titel steht für das, was passieren kann in dunklen Kellerräumen, im Dunklen überhaupt. Dort kann Angst entstehen vor dem, was nach den Bildern kommt, die man selbst erzeugt. Es ist eine Installation auf Kinderaugenhöhe. Man betrachtet den Bilder-Reigen, die Projektionen unter der Treppe von einem niedrigen Hocker aus oder geht in die Hocke, um in den Raum hinein zu schauen. Gleichzeitig hört man die Schritte der Besucher auf der Treppe.

Karin Veldhues und Gottfried Schumacher schreiben zu ihrer zweiten Arbeit: Reinwasser ist eine Arbeit mit dem Licht, der Projektion (= auch doppeldeutig), der Dunkelheit des Raumes und dem Wasser (Rheinwasser). Die Installation ist für einen Raum mit zwei weißen Kindertoiletten entwickelt worden, die in Boxen einander gegenübergestellt und durch eine Zwischenwand getrennt sind. Man kann von oben hineingesehen. Der Raum ist komplett verdunkelt. Auf einer Kindertoilette befindet sich ein kubischer Glasaufsatz, der mit Wasser gefüllt ist. Über den Projektor erscheint dort das Bild einer „eisernen Rose“. Wir fanden sie als Gussform und architektonisches Element an einem Kellerfenster-Gitter einer  Wiener Stadtvilla.

Die „eiserne Rose“ in dem „Aquarium“ hat in etwa dieselbe Größe wie eine echte, aufgeblühte Rose. Sie führt die lebendige Rose buchstäblich ad absurdum und hat etwas verengendes, befremdliches, denn eine „wirkliche“ Rose ist zart, zerbrechlich, fragil und ein hochsensibles Gewächs. Die „echte“ Rose ist temporär in ihren Zuständen, Übergängen und sie existiert wie alles in einer zeitlichen Befristung. Die Unterwasserprojektion arbeitet mit dem Bild der Rose aus Eisen, aber in der Projektion in das Reinwasser erscheint sie wie ein Schatz unter Wasser und lebendiger als im originalen Zustand. Im Wasser - als Metapher für Leben - (Reinwasser / Rheinwasser / Fluss / Fluss des Lebens) ist die Rose sehr zurückgenommen als versunken, verborgen zu sehen - darin könnte sie fast wieder ein Versprechen, ein Versuch der Rückführung sein: Blick zurück nach vorn.


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