Eine Höhle für Platon

26. April bis 28. Juni 2009 in Bonn

Jürgen Albrecht

Jürgen Albrecht

Innen- und Außenansicht einer Skulptur von Jürgen Albrecht sind immer überraschend verschieden. Der Betrachter nimmt die Arbeiten zunächst als Objekte im Raum wahr, wobei sie mit ihren strengen geometrischen Formen und ihrer schlichten hellgrauen Außenseite den Raum gliedern und prägen. Die Objekte selbst wirken fast asketisch. Einen ganz anderen Eindruck gewinnt der Betrachter, wenn er durch die Öffnung der Skulptur in ihr Inneres schaut. Dort erblickt er eine Raumflucht oder eine labyrinthische Architektur, die einerseits Erinnerungen an konkrete Raumsituationen evoziert, andererseits abstrakt bleibt. Dabei fällt es dem Betrachter äußerst schwer, die Dimensionen der vermeintlichen Räume, Korridore, Vorsprünge, Nischen einzuschätzen. Man meint, den vor einem liegenden Raum betreten zu können oder sich bereits mitten in ihm zu befinden.

Licht und Schatten spielen bei der Entwicklung dieser komplexen Innenräume die zentrale Rolle. Je nach äußerer Lichtsituation verändert sich auch der innere Lichtraum. Ein wichtiger Aspekt der Arbeiten von Jürgen Albrecht ruht in der Interaktion zwischen Betrachter und Kunstwerk.

Der Künstler arbeitet bevorzugt mit Tageslicht. Folglich wandelt sich je nach Lichtsituation am Tag die Wirkung der Innenräume permanent. Erst in der prozesshaften Wahrnehmung erlebt der Betrachter die innere Architektur in all ihren Facetten. 

Säule, 2008
Säule, 2008
Tageslicht, 2008
Tageslicht, 2008

Auch die neueren Arbeiten Albrechts spiegeln die intensive Auseinandersetzung mit Licht, Raum und Zeit wider. Außen-, Innen- und Vorstellungsräume: stets steht der Betrachter als Forschender inmitten dieser Dimensionen, begeht oder umgeht Raum und Skulptur, findet Zusammenhänge und entdeckt neue Blickwinkel. Das Licht erleuchtet sowohl das Innere der Plastiken als auch den Raum und Betrachter. In diesem Prozess verschmelzen die verschiedenen Dimensionen zu einem homogenen Ganzen, das weder einen Mittelpunkt hat, noch Anfang oder Ende. Nicht das, was wirklich existiert, ist entscheidend, sondern was darauf aufbauend im Kopf des Beobachters entsteht.

Räume, 2008
Räume, 2008
Tageslicht, 2008
Tageslicht, 2008

Jürgen Albrecht lebt und arbeitet in Hamburg und Berlin.



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