Mischa Kuball, Platon´s mirror, Videoinstallation, 2009, Foto: Carsten Gliese
Mischa Kuball, Platon´s mirror, Videoinstallation, 2009, Foto: Carsten Gliese

Eine Höhle für Platon

26. April bis 28. Juni 2009 in Bonn

Mischa Kuball
 


Platon´s Mirror

Videoinstallation, 2009

Platons Spiegel ist eine silberne Folie, fast vier Meter breit und nur wenig niedriger als der Kellerraum, in dem sie zu sehen ist. Jeder Luftzug setzt sie in Bewegung und mit ihr die Schattenbilder der Betrachter an den Wänden dieses unwirtlichen „Spiegelzimmers“. Nur am oberen Rand der Metallfolie ist ein schmaler Streifen beleuchtet, der sich als diffuses Licht im Raum ausbreitet. Helles Rot geht langsam über in Violett, eine Melange aus Blautönen überlagert einen grünlichen Bereich, zwischendurch huschen helle Lichtkegel über die reflektierende Fläche. Flüchtige Eindrücke, nichts wird konkret. Das könnte das Signal eines Leuchtturms gewesen sein oder vielleicht das Scheinwerferlicht eines vorbeifahrenden Autos. Ein weißes Spotlight taucht auf, schnell wie ein Lidschlag ist es wieder verschwunden, es erinnert an eine Sternschnuppe am Nachthimmel.

Projektion und Reflexion

Der Betrachter erlebt einen Raum, in dem ein abwesendes, unergründliches Geschehen bestimmend ist. Projektion und Reflexionen der Spiegelfolie gehen eine Verbindung ein und vermischen sich mit den Schatten der Anwesenden auf dem bröckelnden Putz der feuchten Kellerwände.

Betrachter als Protagonisten

Wer hinter das schwarze Stahlrohrgestell schaut, in dem die Folie hängt, kann erkennen, dass die Quelle der Lichtspiele Scheinwerfer sind, die wahrscheinlich einmal eine Bühnenshow, ein Theaterereignis, den Auftritt einer Band in Szene gesetzt haben. Diese Lichtinszenierung war, aktiv und bewusst eingesetzt, daran beteiligt, Wahrnehmung zu verändern, Illusionen zu schaffen - durchschaubar und vermutlich doch perfekt in ihrer Wirkung.

Anders als die Besucher der Bühnenshow sind aber die Betrachter des Kunstwerks direkt ins Geschehen eingebunden. Sie rezipieren nicht nur, sie gestalten mit, durch ihre Bewegungen im Raum, durch ihre Schatten an den Wänden.

Link:
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterWeitere Informationen zu Mischa Kuball