Vollrad Kutscher, Für Hannah und Martin, Teddy und Max, Zweiteilige Installation, 2009, Foto: Carsten Gliese
Vollrad Kutscher, Für Hannah und Martin, Teddy und Max, Zweiteilige Installation, 2009, Foto: Carsten Gliese

Eine Höhle für Platon

26. April bis 28. Juni 2009 in Bonn

Vollrad Kutscher
 


Für Hannah und Martin, Teddy und Max

Zweiteilige Installation, 2009

Vollrad Kutscher hat die beiden Teile seiner Arbeit in zwei genau übereinander liegenden Sanitärräumen des ehemaligen Kinderhorts untergebracht. Alles ist hier ein bisschen kleiner und das passt gut zu seinem Anliegen, in den großen Philosophen wieder die ganz normalen Menschen zu sehen.

Kartoffelskulpturen für eine seltsame Liebe

Es summt – in der Kindertoilette. Hannah summt Kinderlieder. Sind es ihre Hände, die da geschickt „Kartoffelskulpturen“ schnitzen? Die Hände sind Teil eines Trickfilms, der auf einem von drei Monitoren zu sehen ist, die – wie Spiegel – über niedrig angebrachten Waschbecken hängen. Ganz links ist Martin zu hören. Er stößt zackig wie ein Befehlshaber Worte aus, sorgt wie ein kindlicher Maler für wilde Farbspiele auf dem Bildschirm. Einmal sagt er Hannah. Hannah ist Hannah Arendt, die jüdische Philosophiestudentin, die eine Liebesbeziehung mit ihrem Professor, dem Philosophen und Sympathisanten der NS-Bewegung Martin Heidegger verband.

„Aber das muss man nicht wissen“, sagt Vollrad Kutscher. Auch nicht, dass die beiden Kartoffelwesen auf dem Suppenteller im Fokus einer Überwachungskamera und gegenüber auf einem anderen Monitor Hannah und Martin sein sollen. Der Film zeigt ihre Metamorphose vom saftig prallen Kartoffelmännchen/Kartoffelweibchen bis zur gealterten Schrumpelskulptur.

Platons geistige Kinder

Im oberen Hygieneraum ist auf dem Fußboden eine Projektion zu sehen, dort steht: „Warum muss man Bleifiguren gießen? – Die wachsen doch garnicht.“ Es ist eine Kinderfrage, in der Widersprüche bei der Beschreibung von Realität mit Worten aufleuchten.

Mit Witz und Ironie, tiefsinnig und vielschichtig übersetzt Vollrad Kutscher komplizierte Gedankengänge, komplexe philosophische Ideen in eindringliche Bilder. Wer sich darauf einlassen kann und will, wird eine Vielzahl von „Zitaten“ entdecken. Aber auch die Portraits von Theodor Adorno (Teddy) und Max Horkheimer (Max). Die „Leuchtenden Vorbilder“ der Frankfurter Schule, sind als Miniaturmalerei auf winzigen Glaszylindern verewigt.

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