
(ENT-)TÄUSCHT!
Interdisziplinäre Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen
6. und 13. Juni 2009, 15 bis 19 Uhr
Täuschungen gehören zu den grundlegenden Erfahrungen des Menschen – ob im öffentlichen Leben, in Politik und Wirtschaft, oder im individuellen Bereich der Wahrnehmung und des zwischenmenschlichen Umgangs. Was das Lexikon als „falsche Auffassung eines Sachverhalts“ beschreibt, kennt dementsprechend ganz verschiedene Spielarten und Dimensionen, angefangen mit der grundsätzlichen Unterscheidung, dass man sich täuschen kann oder von anderen (vorsätzlich) getäuscht wird. Immer geht es dabei um die Differenz von subjektiver und objektiver Wahrnehmung, die ganz unterschiedliche Funktionen und Wirkungsweisen annehmen kann, was der Vielzahl sprachlicher Wendungen entspricht - Trugbild, Schimäre etc.
Lug, Trug und Fälschung
Auch erfährt die „Manipulation des Augenscheinlichen“ verschiedene Bewertungen; sie ist negativ konnotiert als Arglist, Betrug und Fälschung, unterliegt – als List oder Finte – aber auch einer positiven Einschätzung, etwa dann, wenn der Schwächere den Stärkeren trickreich zu täuschen vermag, wovon Märchen und Mythologie berichten. Auch in der kulturellen Produktion spielt der Vorgang der (visuellen) Täuschung auf der Grundlage bestimmter Techniken seit jeher eine wichtige Rolle, zum Beispiel als trompe-l’oeil in der Malerei oder als Scheinfassade in der Architektur. Nicht anders verhält es sich in Spiel, Sport, den Medien und der Massenunterhaltung, wo immer wieder mit Strategien und Konzepten der Täuschung operiert wird. Dass Täuschungen (als Tarnungen) darüber hinaus dem Selbstschutz dienen können, zeigt sich sowohl im Tierreich als auch auf militärischem Gebiet.
Ein Phänomen – von vielen Seiten betrachtet
Dem komplexen Phänomen der Täuschung gingen die interdisziplinären Vortags- und Diskussionsveranstaltungen nach, die im Rahmen des Kunstprojekts „Eine Höhle für Platon“ statt fanden. Gemäß dem Platonischen Höhlengleichnis, das von den Schatten der Erscheinungen zu den Ideen gelangt, ist dabei manche (Ent-)Täuschung vorprogrammiert – nämlich in der Erkenntnis, was Täuschungen ausmacht und wie sie funktionieren.
6. Juni 2009, 15 -19 Uhr, Villa Prieger, Bonn
Referenten:
- Prof. Dr. Klaus Lunau, Zoologe, AG Sinnesökologie, Universität Düsseldorf
- Prof. Dr. Hans Ulrich Reck, Philosoph, Kunstwissenschaftler, Publizist, Kunsthochschule für Medien Köln
- PrivDoz Dr. Renate Volbert, Fachpsychologin für Rechtspsychologie, Charité Berlin
13. Juni 2009, 15 -19 Uhr, Villa Prieger, Bonn
Referenten:
- Prof. Dr. Rafael Capurro, Institut für Informationsethik, Steinbeis Hochschule Berlin
- Dr. Susanne Schulte, Literaturwissenschaftlerin, Geschäftsführerin der GWK, Münster
- Dr. Dipl.Ing. Wolfgang Koelbl, Architekt und Theoretiker, Wien
Moderation: Ralph Erdenberger, freier Journalist, WDR


