Ina Weber, Bus Shelter, Begehbare Skulptur 2010 (Foto: Carsten Gliese, Köln)
Ina Weber, Bus Shelter, Begehbare Skulptur 2010 (Foto: Carsten Gliese, Köln)
update - Die Welt als Modell

4. September bis 31. Oktober 2010 in Bonn

Ina Weber

Bus Shelter, 2010
Begehbare Skulptur

Ina Weber hat ein Faible für moderne Architektur: Funktionsbauten wie Tankstellen oder Parkgaragen, Blumenkübel aus der Fußgängerzone, Wohnhäuser in verschiedenen Formen – solche und andere Bauwerke dienen der Künstlerin als Inspirationsquelle für ihre skulpturalen Arbeiten, die immer mit einer Maßstabsverschiebung einhergehen.
Manchmal werden sie derart geschrumpft, dass sie auf Minigolfanlagen oder als Vogeltränke zum Einsatz kommen. Die Künstlerin betrachtet ihre Arbeiten nicht als Nachbauten der Originale, bei denen es auf Präzision ankommt, vielmehr schaffen sich die Skulpturen ihren eigenen Raum, ihre eigene Realität. Und doch sind sie auf eine von Ina Weber selbst nicht festgelegte Weise Modelle einer Wirklichkeit. Hin und wieder stattet sie ihre Skulpturen sogar mit einem Zusatznutzen aus: Hat der Betrachter keine Lust, sich mit der Kunst zu befassen, dann bleibt ihm immer noch der funktionale Zugang.

Bus Stop im Büro

Bei ihrer Arbeit Bus Shelter, die einer realen Bushaltestelle in Brighton nachempfunden ist, könnte man den Nutzen schnell erkennen, befände sich der kleine Pavillon an einer realen Straße. Tatsächlich steht das Wartehäuschen aber im Inneren des Ausstellungsgebäudes und ist in seinen Ausmaßen deutlich verändert: "Kleiner als ein Gebäude, aber auch kein Modell zum Anschauen, sondern begehbar, in der Breite und Höhe eines Kleiderschranks, in dem sich der Liebhaber bei der unerwarteten Rückkehr des Ehemanns verbirgt." (Ina Weber)
Durch diese Verkleinerung ist der Zutritt erschwert, der Pavillon ist nur eingeschränkt benutzbar. Außerdem kommt hier, im Ausstellungsgebäude, mit Sicherheit kein Bus vorbei.
Was aber bleibt von einer Bushaltestelle, wenn kein Bus kommt? Immerhin: Läuft das Warten ins Leere, bleibt es ohne Ziel und Richtung, so lässt sich umso besser über die verlorene Zeit nachdenken. Wie halten wir sie aus – und wie können wir sie nutzen?
Bei Ina Weber werden solche Denkprozesse immer auch körperlich erfahrbar, denn der gedrungene Maßstab ihrer Modellskulpturen verändert die Situation auf spürbare Weise. Sind wir zu groß oder ist die Bushaltestelle zu klein? Alles scheint vertraut – und doch ist nichts, wie man es kennt. 

 

Kurzbiografie der Künstlerin

Ina Weber (Foto: Susanne Dobler, Neuss)

Ina Weber

*1964 in Diez
lebt und arbeitet in Berlin

Link: www.haah.de

Mail: ina.weber(at)web.de

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