Heraus aus dem Elfenbeinturm!

Neue Wege der Kunsthochschulen
in die Gesellschaft

1. Symposium

Vom 22. bis zum 24. Juni 2007 fand an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg das erste Symposium der Reihe „Heraus aus dem Elfenbeinturm!" statt. Lehrende und Lernende, Künstler und Kulturschaffende verfolgten von Freitagabend bis Sonntagmittag zwölf Vorträge und diskutierten miteinander über mögliche „Neue Wege der Kunsthochschulen in die Gesellschaft". Dabei ging es um das „Bild des Künstlers" und die damit einhergehende Mythenbildung. Kontrovers erörtert wurden das Selbstverständnis der Akademien und Formen der Ausbildung. Referenten und Auditorium hinterfragten kritisch das Verhältnis von Kunst, Praxis und Wissenschaft. Mehrere Beiträge behandelten das Themenfeld „Kunst im öffentlichen Raum". Beispielhaft vorgestellt wurden Modelle der Kulturförderung und Entwicklung von Netzwerke.

Zu den Referentinnen und Referenten zählten u. a. Prof. Dr. Sigrid Schade von der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich, Ilonka Czerny von der Kunst-Raum-Akademie Zürich, Florian Waldvogel, Kurator am Witte de With, Rotterdam, Ingrid Raschke-Stuwe, Montag Stiftung Bildende Kunst, und Prof. Dr. Christian Demand, AdBK Nürnberg.

Künstlerinnen und Künstler berichteten über ihre Projekte, die Umstände ihrer Entstehung und stellten ihre speziellen Arbeitsbedingungen vor. Christoph Schäfer ging mit einer aufschlussreichen Bilddokumentation über die mehrjährige Entwicklung auf das spektakuläre Projekt „Park Fiction" in Hamburg ein. Florian Waldvogel stellte exemplarisch seine konzeptionelle Arbeit auf der Kokerei Zollverein in Essen vor und die junge Künstlerin Pia Zierhut fand Parallelen zwischen ihrer Videoarbeit „Bikeride durch den Central Park Richtung Downtown Timessquare" und dem Weg angehender Künstler von der Akademie ins Künstlerleben. Der Berliner Künstler Thomas Rentmeister gab einen Werkbericht und bearbeite im Anschluss an die Veranstaltung Themen des Symposiums in einem Workshop mit Studenten der Nürnberger Akademie. 


Workshop zum Symposium "angesichts"


Unter dem Titel »angesichts« entwickelte er mit dreizehn Kunststudentinnen und -studenten ein Projekt für den öffentlichen Raum. Dieses war vom 11. bis 15. Juli 2007 Bestandteil der Jahresausstellung der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg.

"angesichts" - Gesamtkunstwerk des anschließenden Artworkshops
"angesichts" - Gesamtkunstwerk des anschließenden Artworkshops

Auf sieben Werbemobilen, so genannten Motorpostern, wurden die überdimensionierten Porträts der TeilnehmerInnen montiert. Die Fahrzeuge – stationiert vor dem Eingang der Akademie – schwärmten zu bestimmten Tageszeiten in die nahe gelegene Innenstadt Nürnbergs aus.

Gerade hier, im städtischen Kontext, der von Werbebotschaften dominiert wird, setzten die Motorposter gleichermaßen auf Irritation und Aufmerksamkeit, zumal keinerlei erklärende Hinweise auf Absicht und Autorschaft des Projektes gegeben wurden.

"angesichts" - Gesamtkunstwerk des anschließenden Artworkshops

Die Aktion ließ ganz unterschiedliche Mutmaßungen zu: Wer verbarg sich hinter den fahrenden Porträts? In welcher Absicht kamen sie? Ging es um eine Inspektion des Stadtraums? Oder waren sie nur Vorboten für eine folgende Kampagne, die alles auflösen würde? Geeignet, solche und andere Fragen zu stellen, erprobte das Projekt im wahrsten Sinne „neue Wege der Kunsthochschulen in die Gesellschaft“.