
Pädagogische Architektur:
Gute Praxis zur Diskussion
Architektur und Pädagogik haben spätestens seit Schließung des Schulbauinstituts
der Länder keine informative Mitte mehr. Auch die Architektur- und pädagogischen Hochschulen widmen sich dem Schulbau nur vereinzelt.
Darum befördern die Montag Stiftungen neben ihren konkreten Entwicklungsaktivitäten den Wissenstransfer über gute Beispiele der pädagogischen Architektur.
Die ausgewählten Schulen sind gebaute Vorhaben aus Deutschland, v. a. Nordrhein-Westfalen. Ergänzend wurden einige wenige internationale Beispiele dokumentiert. Diese Sammlung ist offen und wird laufend ergänzt.
Bis heute wurden folgende 'Guten Beispiele' aufbereitet:
Wartburg-Grundschule, Münster
In dieser Schule werden vier verschiedene Züge angeboten: ein Halbtagszug, ein Halbtagszug mit Integrationsklasse und zwei Ganztagszüge. Um die jeweilige Gemeinschaft zu stärken, sind diese organisatorischen Einheiten in kleinen Schulen in der Schule untergebracht. Die Schule versteht sich als offene Schule. Die Identifikation der Schüler mit ihrer Schule wird gefördert und die Aneignung, z. B. durch spezielle Kunstprojekte, vorangetrieben.
Förderschule mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung, Velbert
Die Schule ist auf Basis eines großen, gemeinsamen Engagements von Politik, Verwaltung, Pädagogen und Schülern sowie den ausführenden Unternehmen und allen voran dem Architekten entstanden. Das zentrierte Gebäude geht auf die besonderen Bedürfnisse der Schüler ein, indem es alle notwendigen Einrichtungen übersichtlich bündelt und die innere Gemeinschaft fördert.
Käthe-Kollwitz-Gesamtschule, Leverkusen
Welche Chancen und Potenziale in einer Schule stecken, wenn man über die absoluten Notwendigkeiten einer Sanierung hinausgeht und durch zusätzliche Modernisierungsmaßnahmen im Bestand auf die Anforderungen des pädagogischen Konzeptes reagiert, zeigt diese Schule. Durch wertschätzende Architektur, Beteiligung der Schülerschaft und Beachtung der Anregungen des Personals wurde die Identifikation mit dem Gebäude erhöht.
Evangelische Gesamtschule Bismarck, Gelsenkirchen
Die unmittelbare Beteiligung der Nutzer in den ersten Bauphasen hat bei diesem Schulbauprojekt viel Aufmerksamkeit erhalten. Sie könnte vorbildhaft für die Prozessgestaltung zukünftiger Schulneu- bzw. -umbauten sein. Der kleinteilige Maßstab eines Dorfes gewährleistet eine Untergliederung in überschaubare Einheiten und unterschiedlichste Unterrichtsformen. Begegnungsräume wechseln sich mit Spiel-, Ruhe-, Aufenthalts- und Lernbereichen ab.
Geschwister-Scholl-Gesamtschule, Lünen
Mit dieser Schule wurde vor gut 40 Jahren ein wichtiger Maßstab für Grundriss- und Gebäudequalitäten bei dem Entwurf »pädagogischer Architektur« gesetzt. Die Klasseneinheiten mit Vorraum, Klassenzimmer, Differenzierungsraum und Freiluftklasse werden von Lehrern auch heute noch als fortschrittlich empfunden und die polygonale Klassenform begünstigt wechselnde Unterrichtsformen.
Grundschule Landsberger Straße, Herford
Die Schule ist Bestandteil eines gesamtstädtischen Entwicklungsprogramms. Die Transparenz zwischen Klassen und Gruppenräumen fördert die Offenheit und die Gemeinschaft im Schulalltag und die mehreckige Grundrissform des Neubaus ermöglicht vielfältige Unterrichtsanordnungen, die optimal auf die Lerninhalte abgestimmt werden können.
Laborschule, Bielefeld
Die Konzeption der Schule als Großraum bedingt eine neue Herangehensweise an Lehren und Lernen. Die pädagogischen Ziele Selbstständigkeit und Eigenverantwortung werden durch die Gebäudeform als Großraum und die Unterrichtsgestaltung unterstützt. Die Offenheit der Lernbereiche fordert und fördert rücksichtsvolle Kommunikations- und Umgangsformen.
Maria-Montessori-Gesamtschule Aachen
Die Voraussetzung für erfolgreiches selbstbestimmtes Lernen ist nach Maria Montessori die bewusste Gestaltung der Lernumwelt. Diesen Aspekt greift die Architektur auf. So haben die Räumlichkeiten, in denen vorwiegend Unterricht stattfindet, eine grüne Außenhaut, die Räume für die Phasen zwischen den Unterrichtszeiten haben eine zweigeschossige, farbige Struktur. Der Klassenraum ist sowohl Lern- als auch Lebensraum und vorbereitende Umgebung für das Lernen.
Erika - Mann - Grundschule, Berlin
Ziel des Umbaus war es, die Räumlichkeiten des Altbaus der Pädagogik des 21. Jahrhunderts anzupassen. Aus den strengen Fluren sollten wirkliche Aufenthaltsräume entwickelt werden, in denen Kinder lernen, spielen oder sich zwischendurch zurückziehen können. Um eine starke Identifikation der Nutzer mit der Architektur zu erzielen, wurden die Schüler mittels »Schülerparlament« von Beginn an in den Planungs- und Entscheidungsprozess einbezogen.
Kindergarten und Grundschule De Polygoon, Almere
Die Schule ist nach dem Prinzip einer »Lernstraße« konzipiert, was bedeutet, dass die insgesamt 16 Klassenräume nicht um eine platzähnliche Halle gruppiert, sondern an einem gestreckten, straßenartigen Raum angeordnet sind. Durch die Anordnung der Klassen an eine zentrale »Straße« wurde dem Wunsch Rechnung getragen, den verschiedenen Altersstufen dieser insgesamt sehr großen Schule kleinere Schulen in der Schule einzurichten.
Kindercluster Voorn, Utrecht NL
Die sogenannte »breede school« umfasst mehrere Einrichtungen: zwei Volksschulen, ein Freizeitzentrum, eine Sportanlage, eine Kindertagesstätte und ein Hort. Durch die gemeinsame Nutzung der Räume werden größere Möglichkeiten geschaffen. Auf eine flexible bauliche Umsetzung wurde großer Wert gelegt. Durch die Ausführung fast aller inneren Trennwände als nicht tragende Elemente soll sich die Architektur mit der Veränderung des pädagogischen Konzeptes mitentwickeln können.
Weiterführende Links
Weitere Beispiele »Guter Praxis bei der Umgestaltung von Schulen« finden Sie auf den Internetseiten des Projektes
KidS - Kammer in der Schule der Architektenkammer NRW


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