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Impulsforum REGIONAL -
Begabungen nutzen!
Donnerstag, 17. August 2006, Villa Prieger, Bonn
Die ‚Stadträume am Rhein’ haben besondere Begabungen. In ihnen liegen Potenziale, die die Region zwischen Bad Honnef und Leverkusen gemeinsam entdecken, entwickeln und mit Weitblick gestalten kann.
Das Impulsforum REGIONAL hatte ganz in diesem Sinne zum Ziel, Hinweise darauf zu geben, wo in Zukunft räumliche Qualitäten am Rhein geschützt und ausgebaut werden können. Darüber hinaus haben die drei Stipendiaten der Montag Stiftung Urbane Räume erste europäische Inspirationen für den Rheinraum mitgebracht und zwei Referenten – aus Basel und Hamburg – eingeladen, ihre Erfahrungen bei der Gestaltung von Flusslandschaften zu präsentieren.
Die bestimmenden Fragen des Forums waren:
- Welche Begabungen hat der Projektraum zwischen Bad Honnef und Leverkusen und wie können diese genutzt werden?
- Wie wird anderswo in Europa an Flüssen und Gewässern gelebt und geplant? Welche Strategien der Flussentwicklung gibt es dort und was kann die Projektregion daraus lernen?
- Welche Fragen sollten im Rahmen des Projektes und der Bereisungen der europäischen Wasserkanten gestellt und beantwortet werden? Auf welchem Weg können die gewonnenen Erkenntnisse die städtebauliche und landschaftsplanerische Praxis bereichern?
Vor dem Hintergrund dieser Fragen nutzte das Stipendiatenteam den Kontakt zu den regionalen Akteuren, bat Referenten und Gäste um kritische Rückmeldungen zu seiner bisherigen Arbeit und um Hinweise für die Ausrichtung des Projektes.
Diesen Anspruch erhob auch Helmut Krayer, Vorstand der Carl Richard Montag Förderstiftung, in seinen begrüßenden Worten. Er formulierte als entscheidendes Ziel der Arbeit der Stiftungen, einen offenen Denk- und Freiraum anbieten zu wollen, der sich am tatsächlichen Bedarf orientiert und konsequent ein Höchstmaß an Qualität und Effizienz einfordert. Hauptanliegen dieses Impulsforums sei daher, die Frage zu beantworten, ob sich das Projekt auf dem richtigen Weg befände, um die regionale Praxis im Ringen um mehr Qualität zu unterstützen.
Dr. Reimar Molitor, Geschäftsführer der Regionale 2010 Agentur, machte deutlich, dass die Regionale-2010-Projektfamilie sich zunehmend mit Qualität am Rhein profilieren. Gerade deswegen könne sie in den kommenden Jahren die hochwertigen Impulse des Projektes in die laufenden Planungsprozesse einflechten und als Maßstab für das eigene Handeln anlegen.
Raumbegabungen und Rheinthemen
Tobias Hundt und Christoph Hölzer, Stipendiaten der Montag Stiftung Urbane Räume, berichteten anschließend aus der Projektarbeit und stellten die Begabungen und planerischen Kernthemen des Projektraums vor. Sie ordneten verschiedenen Raumabschnitten neun Begabungen zu und vertieften deren Betrachtung an exemplarischen Orten. Die Zusammenschau von „Möglichkeitsräumen“, „Wohnoasen“ oder „Produktivkräften“ zeigte, dass in den ‚Stadträumen am Rhein’ facettenreiche Potenziale liegen: „Die langfristige Sicherung der Attraktivität und internationalen Konkurrenzfähigkeit der Region zwischen Bad Honnef und Leverkusen erfordert allerdings, diese erkennbar zu profilieren.“
Handlungsbedarf besteht aber auch jenseits der Raumbegabungen. Dieses verdeutlichte Frauke Burgdorff, Vorstand der Montag Stiftung Urbane Räume. Sie stellte die in den Werkstattgesprächen beschriebenen Herausforderungen vor. Hier seien in erster Linie zu nennen: Gestaltung der Nahtstellen zwischen Großwerken bzw. Häfen und Siedlungen, Integration von Hochwasserschutzmaßnahmen im Siedlungs- und Freiraum, Anbindung der „zweiten und dritten Reihe“ an den Rhein, Bezugnahme des Städtebaus auf die Nähe zum Fluss, bewusstere Gestaltung und bessere Orientierung entlang der Uferwege, Nutzung des Potenzials der Fähranleger, Lösungen für Konflikte zwischen Hafengewerbe und neuen Nutzungen sowie die Notwendigkeit zur aktiven Zusammenarbeit in der Region.
Internationale Impulse
Wie einige dieser Fragen anderswo beantwortet wurden, stellte unter anderem Jürg Degen, Leiter der Nutzungsplanung und Arealentwicklung im Hochbau- und Planungsamt des Kantons Basel-Stadt, dar. Er gab in seinem Vortrag Einblicke in vorbildliche Projekte am Baseler Rheinufer. Dazu gehörten von Bürgerwerkstätten zur kleinteiligen Aufwertung der Uferkante über verschiedene private Initiativen (z. B. Kulturfloß oder Rhein-Badehäuser), bis hin zur geplanten Umwandlung eines Chemiewerkes in ein Forschungszentrum (Campus Novartis) auch Beispiele für die gemeinsame Projektorganisation zwischen Verwaltung und Privatwirtschaft. Auch die Einbettung der Projekte in ein übergeordnetes „Impulsprojekt Rhein“ als Teil des Aktionsprogramms Stadtentwicklung Basel (siehe Vortrag) ist vorbildlich.
Prof. Thomas Krüger vom Institut für Städtebau und Quartiersentwicklung an der HafenCity Universität Hamburg berichtete unter anderem über die Erfahrungen bei der Projektentwicklung an Wasserlagen der Hansestadt Hamburg. Anhand bekannter Projekte, wie z. B. der „HafenCity Hamburg“ oder dem „Channel Harburg“ erläuterte er die besonderen Herausforderungen von Planungen am Wasser. Sie bewegten sich in einem Spannungsfeld zwischen hohen Erwartungen, technischen und planerischen Restriktionen und den spezifischen Bedingungen des Immobilienmarktes. Hier bedürfe es besonderer Verfahren und Instrumente, um städtebauliche Qualität sicherstellen zu können. Allerdings lägen bereits gute Erfahrungen mit innovativen und flexiblen Planungsverfahren vor. Neben neuen Trägerschaftsmodellen sei hier vor allem das Hamburger Anhandgabe-Verfahren (siehe Vortrag) hervorzuheben.
Die intensiven Einblicke in die Praxis rundete Carolin Lüke mit Impressionen von Projekten in Flusslandschaften Deutschlands, der Schweiz und den Niederlanden ab. Auf der Suche nach dem „Mehr an Qualität“ sind die Stipendiaten der Montag Stiftung Urbane Räume auf Projekte gestoßen, die hinsichtlich der öffentlichen Zugänglichkeit des Ufers und der Erlebbarkeit des Flusses Vorbild sein können. Aber auch für Städtebau am Wasser, Freiraumgestaltung sowie Kooperations- und Verfahrensmodelle konnten gute Anregungen für die Praxis der Rheinregion zwischen Bad Honnef und Leverkusen gefunden werden.
Wissenstransfer in die Praxis
Bleibt die Frage nach dem Nutzen dieser internationalen Erkenntnisse für die Region. Frauke Burgdorff stellte daher die Suche nach geeigneten Formen, Produkten und Inhalten des (inter-) nationalen Wissenstransfers in die Region in den Mittelpunkt der nachmittäglichen Podiumsdiskussion. Fragen wie „Welche Produkte brauchen Sie?“ oder „Wie nutzen wir Ihnen am meisten?“, beantworteten Lena Zlonicky, stellvertretende Fachleiterin für Stadtplanung und Bauaufsicht und Leiterin der Abteilung städtebauliche Planung der Stadt Leverkusen, Franz Haverkamp, Geschäftsführer der Stadtentwicklungs-GmbH Niederkassel, Dr. Andreas Pätz, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungs- und Wohnungsbaugesellschaft Königswinter und Karsten Schröder, Abteilungsleiter im Bereich Bezirks- und Ortsteilplanung/Entwicklungsmaßnahmen der Stadt Bonn nahezu unisono mit der Bitte um die Dokumentation von gelungenen Beispielen baulicher und landschaftsplanerischer Lösungen.
Auch Kooperationsmodelle zwischen öffentlicher Hand und privaten Investoren sowie zwischen unterschiedlichen Kommunen seien von großem Interesse für die Praktiker der Region. Die Kommentierung und Verarbeitung der Ergebnisse sichere einen Mehrwert gegenüber herkömmlichen Best-Practice-Sammlungen. In dem fachlichen Beitrag des Projektes sahen die Diskussionsteilnehmer einen zentralen Beitrag für die Überzeugungs- und Ermutigungsarbeit am Rhein in den Kommunen. Ein wichtiger Bestandteil der Stiftungsarbeit solle aber auch sein, im weiteren Projektverlauf Ideen für neue und hochwertige ‚Stadträume am Rhein’ zu entwickeln.
Weitere Impulse gab Sigurd Trommer, Mitglied des Kuratoriums der Carl Richard Montag Förderstiftung, den Stipendiaten mit auf ihren Weg, indem er zum Abschluss des Impulsforums seine Eindrücke und Gedanken zum Tag zusammenfasste: Es sei wichtig, den Raum in seiner Individualität zu stärken und die vorhandenen Qualitäten mit einem klaren Zukunftsbild vor Augen weiterzuentwickeln. Es käme dabei vor allem darauf an, die gesamte Region im Blick zu behalten, denn nur auf regionalem Fundament könnten die skizzierten Begabungen ausreichend Kraft für den globalen Wettbewerb entfalten. Die Arbeit der Stipendiaten der Montag Stiftung Urbane Räume liefere hierfür einen ersten wichtigen Beitrag.
Vorträge
- Programm
PDF-Dokument (235 kB)
- Raumbegabungen und Rheinthemen
Vortrag Tobias Hundt und Christoph HölzerPDF-Dokument (4,6 MB)
- Basel am Rhein
Vortrag Jürg Degen
• Präsentation:PDF-Dokument (3,5 MB)
• Zusammenfassung:PDF-Dokument (503 kB)
- Projektentwicklung am Wasser in Hamburg
Vortrag Prof. Thomas Krüger
• Präsentation:PDF-Dokument (260 kB)
• Zusammenfassung:PDF-Dokument (741 kB)
- Aus der Ferne: Impulse für die Region
Vortrag Carolin LükePDF-Dokument (3,1 MB)
Weiterführende Informationen
Raumbegabungen
Die Rheinregion zeichnet sich durch mindestens acht Talente und Stärken aus. Die facettenreichen Begabungen der Teilabschnitte entlang des Rheins reichen von der „Rheinerholung“ bis zum „Möglichkeitsraum“.
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Impressionen aus der Ferne
Internationale Situationen an Gewässern. Eine Online Reise.
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