
Konzept
„Nicht erst seit der Ende 2001 vorgelegten PISA-Studie ist bekannt, dass Pädagogen, Bildungspolitiker, aber auch Architekten aufgefordert sind, Schulen in einem radikalen Sinn neu zu denken. Industrie und Wirtschaft haben schon seit geraumer Zeit keinen Bedarf an Mitarbeitern, die nur „Fragen beantworten“ können – sie brauchen Mitarbeiter, die selbständig Fragen stellen“, die neben soliden Grundkenntnissen des Lesens, Schreibens und Rechnens über Fertigkeiten verfügen, wie Teamfähigkeit und soziale Kompetenz, Kreativität und Entscheidungsfähigkeit bei der Lösung von Problemen, Orientierung in einer Flut von Daten und Wissen über den Umgang mit Wissen. „Sie suchen händeringend nach Mitarbeitern, die nicht nur „Überliefertes wiedergeben“, sondern selber Neues (er)finden können.“
(Zitate von Otto Seydel, 2002 und OECD, 2001)
Die Schulprogramme und Schulgebäude halten den aus diesen Entwicklungen erwachsenden inhaltlichen und räumlichen Ansprüchen jedoch nur selten stand. Es besteht also sowohl die Notwendigkeit als auch die Chance, die kommenden pädagogischen Weiterentwicklungs- und Umbauprojekte mit guten Vorbildern und guten Standards anzureichern.
Auch die Montag Stiftungen verfolgen das Ziel, die Lernenden dazu zu befähigen, die Verantwortung für ihr Lernen zu übernehmen. Dazu ist es notwendig, die Lehrenden dabei zu unterstützen, ihre Aufgabe als Förderer individueller Lernerfolge anzunehmen und ausfüllen zu können. Ein Schulsystem, das sich dieser Idee verpflichtet, muss die bruchfreie und gemeinschaftliche Gestaltung von Lernerfahrungen quer zu den Altersklassen und Begabungen ermöglichen.
Die Montag Stiftungen haben in diesem Kontext zum Ziel, einen ganzheitlichen und langfristig wirksamen Beitrag zur Verbesserung der Lebens - und Lernumwelt in unserer Gesellschaft zu leisten. Sie beschäftigen sich mit der Fragestellung, wie eine innovatives, dem selbstverantworteten und gemeinschaftlichen Lernen verpflichtetes Bildungsumfeld gestaltet werden kann. Dieser Gestaltungsanspruch bezieht sich zunächst auf das pädagogische Fundament, das aber wiederum die Basis für die funktionale und gestalterische Entwicklung eines Raumprogramms mit Blick auf das Schulgebäude (Architektur) und den Stadtteil (Städtebau und soziale Stadtentwicklung) bildet.
Hiermit verfolgen die Montag Stiftungen das Ziel, den Lernenden über eine wertschätzende Architektur ihre Bedeutung in der Gesellschaft zu vermitteln und zum anderen die Schulen im Sinne einer integrierten und nachhaltigen Stadtteilentwicklung eng mit dem sozialen Leben in der Stadt und im Stadtteil zu verzahnen. Diese Investition ist nicht monetärer Natur, sondern äußert sich in einer individuell auf den Schulstandort abgestimmten, optimalen Umsetzung der Raumbedarfe in gestalterischen Anspruch.
Die Umwandlung der Grundschulen Nordrhein-Westfalens zu Offenen Ganztagsschulen und die daran anschließenden Fördermaßnahmen für Hauptschulen bieten nun die Chance, die diesbezüglich zu investierenden Mittel in eine den wichtigen Bildungsfragen angemessene qualitative Form zu bringen.
Neben der konkreten und beispielhaften Verbesserung der Lernbedingungen an einzelnen Schulen bzw. Schulstandorten – zur Zeit zwei Schulen in Bonn und die Bildungslandschaft Altstadt Nord in Köln – möchten die Stiftungen mit diesem Projekt einen breiten Diskurs über die vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen Schularchitektur und Schulpädagogik initiieren. Dieser Diskurs soll über die Grenzen der an ‚Schule‘ beteiligten Professionen hinweg gleichermaßen Pädagogen, Bildungsplaner, Schüler, engagierte Eltern, Architekten, Gebäudemanager und andere Interessierte einbeziehen und sie zu gemeinsamen Initiativen in ihren jeweiligen Wirkungsfeldern anstiften.
Dabei kommt dem Begriff der ‚Pädagogischen Architektur‘ eine besondere Bedeutung zu. Unter ‚Pädagogischer Architektur’ verstehen die Montag Stiftungen dabei eine Architektur, die ihren planerischen und gestalterischen Anfang bewusst in pädagogischen Konzeptionen findet, mit der Bereitschaft, diese in Formen und Strukturen aktueller pädagogischer Alltagspraxis zu übersetzen auf der Grundlage eines ganzheitlichen gemeinsamen Realisierungskonzeptes.


