Lebens- und Lernraum Schule

Pädagogische Architektur: Lebens- und Lernräume für die Zukunft

Die Montag Stiftung Urbane Räume entwickelt und realisiert gemeinsam mit der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft das auf mehrere Jahre angelegte Projekt ‚Lebens- und Lernraum Schule: Pädagogische Architektur‘.

Die beiden Stiftungen wollen der Frage nachgehen, wie zukunftsfähige, dem selbstverantworteten und gemeinschaftlichen Lernen verpflichtete Schulen künftig gestaltet werden sollten. Dabei ist der Anspruch auf ‚Gestaltung‘ umfassend und bezieht sich auf unterschiedliche Bereiche und Maßstabsebenen:

  1. das grundlegende pädagogische Konzept
  2. das daraus abgeleitete Raumprogramm
  3. die architektonische Gestaltung
  4. die funktionale und räumliche Einbindung in den Stadtteil und seine Einrichtungen
  5. die notwendigen Prozesse und Verfahren – zwischen Schulentwicklungsplanung und Innenraumgestaltung


Neben der konkreten und beispielhaften Verbesserung der Lernbedingungen an einzelnen Schulen bzw. Schulstandorten möchten die Stiftungen mit diesem Projekt einen breiten Diskurs über die vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen Schularchitektur und Schulpädagogik initiieren.

Dieser Diskurs soll über die Grenzen der an ‚Schule‘ beteiligten Professionen hinweg gleichermaßen Pädagogen, Schüler, engagierte Eltern, Schulverwaltungen, Schulaufsichten, Architekten, Gebäudemanager und andere Interessierte einbeziehen und sie zu gemeinsamen Initiativen in ihren jeweiligen Wirkungsfeldern anstiften.

 

1. Der Begriff

Unter Pädagogischer Architektur verstehen wir

  1. eine bauliche Form, die ihre Organisation und gestalterische Kraft aus einer pädagogischen Konzeption heraus entwickelt
  2. eine Pädagogik, die sich die Räume, in und mit denen sie arbeitet zu eigen macht und sie einbezieht
  3. ein Prozess, der die am Lernen und Lehren Beteiligten befähigt, die Formen des Lernen und Lehrens mit zu gestalten.

In Schulen, in denen Pädagogische Architektur realisiert wird, kommt es zu einer engen Zusammenarbeit von Pädagogik und Architektur. Mit anderen Worten: die Architektur ist ebenso ein Teil der pädagogischen Konzeption wie pädagogische Zielsetzungen Teil der architektonischen Überlegungen sind. Die architektonische Gestalt sollte die bestmögliche Unterstützung von pädagogischen Leitlinien sein.

 


2. Der gesellschaftsspezifische Hintergrund

Architektur und Pädagogik, die sich für eine solche Gestaltungspraxis entschieden haben, verstehen ihr Handeln aus einer bestimmten gesellschaftlichen Orientierung und Grundhaltung mit einem dahinter liegenden Menschenbild. Damit ist für die Montag Stiftungen eine Handlungspraxis sozialästhetischer Verantwortung gemeint. Das sind all jene Handlungen, die versuchen, die individuellen Fähigkeiten eines Menschen bestmöglichst zu fördern mit dem Ziel, diese wieder einzubringen in das Ganze gesellschaftlicher Strukturen.

 

3. Methoden pädagogischer Architektur

Ein solches demokratisches Grundverständnis bedingt bestimmte Methoden des Zusammenarbeitens oder Kooperationsstile, die auch für pädagogische Architektur gelten:

Sieben Befähigungen bestimmen die methodische Qualität des Arbeitsstils:

  1. Teamgeist und konfliktoffenes Dialogverhalten
  2. Transparenz der Prozessentwicklungen
  3. Verständnis für Entwicklung von der Basis
  4. Veränderungsbereitschaft
  5. Inklusive Intelligenz, = die Befähigung Neues als ergänzend zu akzeptieren
  6. Die Übernahme von Eigenverantwortung
  7. Nachhaltigkeitsbewusstsein

Der Architektur muss in diesem Prozess die Bedürfnisse der Lernenden und Lehrenden aufnehmen, sie in Aktivitäten übersetzen und Vorstellungen von der Anordnung der Aktivitäten zueinander entwickeln  (z.B. wo wird individuell gearbeitet, wo wird anhand von kollektiven Material recherchiert, wo wird gegessen, wo wird sich bewegt?).

Die Pädagogik muss in diesem Prozess ihre Ziele und Aktivitäten klar formulieren und Prioritäten setzen, welche räumliche Unterstützung für die Umsetzung ihres pädagogischen Konzeptes von zentraler Bedeutung ist. Dies in dem Bewusstsein, dass Schulen in der Regel eine längere Lebensdauer haben, als einzelne pädagogische Methoden.

Gemeinsam mit allen am Lernen und Lehren Beteiligten und allen Verantwortlichen müssen Wege gefunden werden, die Gewichtung dieser Raum-Aktivitäten in ein Raumprogramm umzusetzen, das den pädagogischen Grundlagen des jeweiligen Lernortes entspricht.

 

Handschrift

Vincent Kataikko, Schüler