Stipendiaten der Montag Stiftung Urbane Räume
Im Gespräch
Die Kooperationspartner
Stadträume am Rhein

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Auftaktveranstaltung zum Kooperationsprojekt "Stadträume am Rhein"

Freitag, 10. Februar 2006, Villa Prieger, Bonn

„Den Spagat finden zwischen kostenbewusstem Bauen und kurzen Lebenszeiten auf der einen Seite und einem hohen gestalterischen und baukulturellen Anspruch auf der anderen Seite“, so lautete einer der Aufträge, den Plenum und Podium den drei Stipendiaten der Montag Stiftung Urbane Räume Christoph Hölzer, Tobias Hundt und Carolin Lüke am Ende der Auftaktveranstaltung zum Projekt »Stadträume am Rhein« im Hinblick auf ihre Forschungsarbeiten der kommenden zwei Jahre mit auf den Weg gegeben haben.

Carl Richard Montag

Natürlich erntete diese Anregung von Prof. Dr. Gerd Schulte die volle Zustimmung des Stifters und Gastgebers Carl Richard Montag: „Vereinzelte Vorzeigeobjekte baukultureller Qualität haben wir genug. Jetzt geht es darum, in der gesamten Region eine qualitätvolle Gestaltung von Stadtlandschaften zu erreichen.“ Einen großen Schritt in diese Richtung erhoffen sich die Teilnehmer und der Stifter von der Arbeit der Stipendiaten, die nach drei Monaten bereits erste Ergebnisse aus dem Projekt vorstellen konnten. Ziel des Kooperationsprojektes von Montag Stiftung Urbane Räume und Regionale 2010 ist, internationale Projekte und Beispiele für eine qualitätvolle Raumentwicklung an Gewässern zu finden, anhand derer konkrete Anregungen für Projekte am Rhein zwischen Bad Honnef und Leverkusen gewonnen werden können. Die Region soll eine gemeinsame Haltung zu „ihrem“ Rhein entwickeln und nach außen präsentieren.

 

Der Auftakt

Einen ganzen Tag beschäftigten sich rund 60 geladene Gäste aus Kommunen, Landesverwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft in der Villa Prieger aktiv mit der Frage, welche städtebaulichen, kulturellen, sozialen, ökonomischen und ökologischen Potenziale am Rhein zwischen Bad Honnef und Leverkusen identifiziert werden können. Dazu wurden auch vorhandene Projekte bzw. Projektansätze der Regionale 2010 präsentiert und diskutiert. Das Ziel der Auftaktveranstaltung war, die regionalen Akteure, die an verschiedenen Stellen und mit unterschiedlichen Ansätzen an der Entwicklung des gemeinsamen Rheinabschnitts mitwirken, zu vernetzen.

Dies forderte auch der Stadtbaurat der Bundesstadt Bonn, Sigurd Trommer, in seiner Begrüßung. „Ziel muss es sein, die unterschiedlichen Begabungen in unserem gemeinsamen Raum zusammen zu führen und aus dieser Ganzheitlichkeit Kraft für den Raum zu schöpfen.“ Diesen Gedanken griff Dr. Reimar Molitor, Geschäftsführer der Regionale 2010 Agentur, auf und betonte bei seinem Überblick über Konzept und Projekte der Regionale 2010 das vielgestaltige Potenzial der Region. Molitor forderte zudem die Teilnehmer auf, die gemeinsamen Stärken der Städte und Gemeinden in der Region wahrzunehmen und sich über die Möglichkeiten zur Entwicklung dieser Potenziale auszutauschen und gemeinsam zu handeln.

 

Impressionen der Stadträume am Rhein

Einen solchen konstruktiven Austausch wünscht sich auch das Projektteam »Stadträume am Rhein«. Getreu der Devise „Wir für Sie… mit Ihnen!“ luden die Stipendiaten der Montag Stiftung Urbane Räume die regionalen Akteure ein, sie bei der Suche nach internationalen Erfahrungen im Hinblick auf die baukulturellen Erfordernisse der Rheinregion zu unterstützen: Der Rhein müsse wieder die Schauseite der Region werden und sowohl für die landschaftliche als auch architektonische Entwicklung Qualitätsmaßstab und Impuls sein.Zum Auftakt ihrer Ergebnispräsentation beschrieb das Forscherteam ein ungewohntes Bild vom Charakter des Rheins. Dabei wurde veranschaulicht, dass der Mythos des Rheins sich vor allem aus den sagenumwobenen Eindrücken des Mittel- und Niederrheins speist und stark mit der Vergangenheit verhaftet ist. Der Abschnitt zwischen Bad Honnef und Leverkusen kann zu diesem klassischen Mythos wenig beitragen, vielmehr ist eine deutliche Diskrepanz zu den alltäglichen Situationen am Rhein festzustellen. Die Darstellung verschiedener Situationen am Fluss vermittelte ein Bild vom Alltag am Rhein und zeigte vorhandene Merkmale in unterschiedlichen Typologien auf.Im zweiten Teil des Vortrags warf das Projektteam am Nachmittag einen analytischen Blick auf weitere Daten und Fakten des Rheinabschnitts. Als wesentliches Merkmal wurde dabei der hohe Verstädterungsgrad identifiziert: So sind von rund 144 km Ufer immerhin 110 km (76 %) von Siedlungsfläche gesäumt. Dieses Merkmal ist eine Besonderheit am gesamten Rheinverlauf und auch an anderen vergleichbaren Flüssen in dieser Form kaum vorhanden. Im Weiteren wurde ein Ausblick auf das Vorgehen zur Entwicklung eines Suchrasters, nach dem die internationalen Referenzprojekte ausgewählt werden, gegeben. Neben bestimmten raumunabhängigen Fokusthemen sind insbesondere die konkreten Raumtypen relevant, die innerhalb des Rheinabschnitts zwischen Bad Honnef und Leverkusen identifiziert wurden. Auch der Hinweis auf den geplanten praktischen Austausch mit internationalen Partnern im Rahmen von Veranstaltungen und Werkstätten verdeutlichte, dass die Bewältigung der regionalen Planungsaufgaben am Rhein durch internationale Erfahrungen und die Präsentation der Region als zusammenhängende Stadtlandschaft in Europa ein wichtiges Anliegen des Projektteams ist.Beim anschließenden informellen Austausch am Rheinmodell kam das Projektteam mit den Teilnehmern ins Gespräch und konnte weitere Ideen und Anregungen für die Auswahl internationaler Referenzprojekte sammeln.

 

Projekte der Regionale 2010

Neben dem Projekt »Stadträume am Rhein«, das explizit den Gesamtabschnitt des Rheins betrachtet, wurden im Rahmen eines Podiumsgesprächs auch die Einzelprojekte der Regionale 2010 am Rhein vorgestellt.

Sigurd Trommer (Stadtbaurat der Bundesstadt Bonn), Bernd Streitberger (Beigeordneter für Stadtentwicklung, Planen und Bauen der Stadt Köln), Dr. Joachim Bauer (Leiter Amt für Landschaftspflege und Grünflächen der Stadt Köln), Günter Ditgens (Bürgermeister der Stadt Wesseling), Hans-Max Deutschle (ehemaliger Geschäftsführer der Landesgartenschau Leverkusen), Hubert Kofferath (Baudezernent der Stadt Königswinter) und Klaus Bouchon (Bundesstadt Bonn, Projektkonsortium „Grünes C“) stellten als Vertreter unter der Moderation von Frauke Burgdorff (Vorstand der Montag Stiftung Urbane Räume) ihre Projekte vor, tauschten Erfahrungen aus und diskutierten mögliche Ansatzpunkte für Kooperationen.

Das Leitmotiv nahezu aller vorgestellter Regionale 2010 Projekte liegt darin, den Rhein über Zugänge oder Freiflächen an das städtische Leben anzubinden und das rechtsrheinische Ufer mit dem linksrheinischen zu verbinden. Gute Beispiele, wie die Landesgartenschau in Leverkusen, der Rheinauhafen in Köln oder das Rheinwerk in Bonn, und aktuelle Projekte, wie die Archäologische Zone in Köln, die Innenstadtperspektive für Wesseling, das „Grüne C“ zwischen Bornheim und Sankt Augustin oder das Vorhaben „Gesamtperspektive Königswinter/Drachenfels“, verfolgen alle ein gemeinsames Ziel: Sie wollen den Zusammenhalt zwischen dem oftmals versteckten Rhein und der Stadt stärken, den Rhein wieder mehr in den Mittelpunkt des öffentlichen Lebens rücken und die Entwicklung von Wohn-, Freizeit- und Lebensstandorten links und rechts des Rheins aktiv fördern.

 

Prof. Dr. Gerd Schulte
Prof. Dr. Gerd Schulte
Prof. Dieter Prinz
Prof. Dieter Prinz
Prof. Thomas Sieverts
Prof. Thomas Sieverts

Regionaler Rheinraum im Fokus

Mit Prof. Dr. Gerd Schulte vom Institut für Landschaftsökologie der Universität Münster und Prof. Dieter Prinz (ehemals tätig am Fachbereich Architektur der Fachhochschule Köln) konnten zwei hochkarätige Redner gewonnen werden, die den regionalen Rheinraum aus Sicht der Kulturlandschaftsentwicklung und aus städtebaulicher Sicht beschrieben. Während Gerd Schulte den Blick auf die Identifizierung und die Anknüpfung an wertvolle Landschaftsräume richtete, konzentrierte sich Dieter Prinz in seinem Vortrag auf die potenziellen und realisierbaren Möglichkeiten zur Aufwertung des städtebaulichen Gesamtbildes.

Schultes These, dass sich der Charakter der Projekte in den Eigenheiten und Identitäten der jeweiligen Kulturlandschaft widerspiegeln müsse, wurde vom Abschlussredner Prof. Thomas Sieverts aufgegriffen. Er betonte, dass die „Rheinfamilie“ ihre unterschiedlichen Begabungen, die sich aus den stadträumlichen und ökonomischen Situationen ergeben, zu einem besseren Ganzen zusammenfügen müsse. Nur so könne die Wachstumsregion zwischen Bad Honnef und Leverkusen auch dauerhaft ein Garant für Qualität und Prosperität bleiben.

Das Programm der Auftaktveranstaltung und die Kurzinformation „Stadträume am Rhein – Internationale Erfahrungen für die Region Köln/Bonn“ stehen ihnen genau so als PDF-Datei zur Verfügung, wie die Vorträge von Gerd Schulte, Dieter Prinz und Thomas Sieverts.



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Bildbeschreibungen:

  1. Stipendiaten der Montag Stiftung Urbane Räume: Christoph Hölzer, Tobias Hundt, Carolin Lüke
  2. Im Gespräch: Frauke Burgdorff mit Sigurd Trommer, Bernd Streitberger, Günter Ditgens und Dr. Joachim Bauer ...
  3. ... und mit Hans-Max Deutschle, Hubert Kofferath und Klaus Bouchon.
  4. Gespräche am Rheinmodell
  5. Die Kooperationspartner v. l.
    Für die Stiftung: das Projektteam Tobias Hundt, Christoph Hölzer und Carolin Lüke sowie der Vorstand Frauke Burgdorff und Carl Richard Montag.
    Für die Regionale 2010 Agentur:
    Jens Grisar, Wolfgang Wackerl, Dr. Reimar Molitor (Geschäftsführer).
  6. Plenum der Auftaktveranstaltung »Stadträume am Rhein«

Autor: Jörn Solbrig
Fotos: Stefan Bayer

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